Jochen Zeischka fliegt Geschwindigkeitsweltrekord über 50 km Dreieckskurs


Jochen Zeischka ist mit seinem Laminar 14 von Icaro 2000 im August 2021 in Saint-André des Alpes (Frankreich) den Weltrekord über einen Dreieckskurs von 50 km für HG Klasse 1 geflogen. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 59,61 km/h. Damit war Jochen über 10 km/h schneller als der alte Rekord aus Australien aus dem Jahr 2000.

Es war Jochen besonders wichtig, den alten Rekord deutlich zu brechen um den Fortschritt des Hängegleitens in den letzten 20 Jahren zu zeigen. Das erforderte eine große Menge Vorbereitung und Planung. Besonders wichtig war die Wahl des Fluggebietes. Saint-André des Alpes bietet ein fast perfektes natürliches 50 km Dreieck, das von der Natur für Rekordversuche geradezu geschaffen scheint.

Eine Knieverletzung und das Fehlen von großen internationalen Wettbewerben auf Grund von COVID weckte bei Jochen das Interesse an Kurzstrecken-Geschwindigkeitsrekorden. Schon im Jahr 2020 knackte Jochen den Geschwindigkeits-Weltrekord über ein 25 km Dreieck, damals war er aber noch kein Mitglied bei uns.

Im Jahr 2021 hat es Jochen beruflich nach Salzburg verschlagen, so kam er auch uns und wir sind sehr stolz so einen außergewöhnlichen Piloten im Club zu haben. Im Sommer 2021 ging Jochen dann seinen nächsten großen Rekordversuch an: Die Wetterbedingungen waren für den Rekordflug nicht ganz ideal. Am Rekordtag herrschte extreme Bewölkung in den höheren Bergen, aber blauer Himmel in der Gegend von St. André. Im Nachhinein
stelle sich heraus, dass die Blauthermik wirklich gut funktioniert hat.

Bei seinem Rekordflug haben Jochen auch die guten Gebietskenntnisse geholfen. Er hat in Saint-André des Alpes vor Jahren das Drachenfliegen bei einer belgischen Flugschule gelernt.

Auch wenn die Wegpunkte für das 50 km langen Dreiecke schon nach dem Rekord über 25 km feststanden, hat Jochen im Winter 2020/2021 einige Abende damit verbracht, alle Möglichkeiten durchzuspielen. Und dann braucht es natürlich einen gut abgestimmten Drachen und ein aerodynamisches Gurtzeug. Jeder Hängegleiterpilot weiß, dass es das nicht umsonst gibt. Es bedarf einiger Anstrengungen und Optimierungen, um die Richtige Abstimmung zu finden.

Rekordflüge muss man bei der FAI anmelden, dass sie als Weltrekord anerkannt werden können. Jochen hatte das Dreieck in der Hoffnung auf perfekte Bedingungen ca. 10-mal angemeldet. Aber oft war dann zu viel Wind oder unterbrochene Thermik. Letztes Jahr ist er die Strecke insgesamt 4 Mal geflogen, aber nur das letzte Mal war ein echter Rekordversuch. Die drei Male davor waren Trainingsflüge, bei denen er schon im Vorfeld wusste, dass die Bedingungen nicht gut genug waren, um wirklich schnell zu sein.

Für einen offiziellen Rekordflug braucht man auch einen Sportzeugen. Das war bei Jochen sein Freund Jo Bonné. Er ist Fluglehrer bei der belgischen Flugschule, weshalb er jedes Jahr für 2 Wochen in St. André ist. Deshalb gab es für den Rekordflug von Jochen eigentlich nur dieses Zeitfenster von zwei Wochen.

Vom Startplatz von St. André führte der Kurs nach Norden, über den La Coupe-Grat und zurück nach St. André. Der eigentliche Plan war, so tief wie möglich auf den Bergkämmen zu fliegen, aber die Bedingungen an diesem Tag entschieden anders. Jochen ist an dem Tag schon dreimal gestartet, jedes Mal in unterschiedlichen Höhen (2300, 2500 und 2800 m AMSL). Er flog auf den Grat zu und versuchte, eine wirklich starke Thermik an den berühmten Antennen zu erwischen, die es ermöglichen würde, auf den Cheval Blanc zu wechseln. Das war der Plan. An diesem Tag hat es nicht geklappt.

Wegen der hohen Basis (3500 m in St. André) lagen die Thermiken weit auseinander und die Antennen boten keinen guten Auftrieb. Also änderte Jochen die Taktik und versuchte einen vierten Start auf 2600 m, und anstatt auf den Grat zuzufliegen, nahm er die erste solide Thermik um auf 3400 m aufzudrehen. Zu diesem Zeitpunkt deuteten die Wolken auf eine Konvergenzzone über Lambruisse hin. So wurde aus dem Rennen über den niedrigen Grat ein Rennen unter der hohen Basis, mit 90 km/h gleitend und mit 4 m/s Steigen.

Der zweite Teil des Kurses war, wie geplant, ein Kammrennen entlang La Coupe. Das Entscheidende war, die richtige Thermik zu erwischen, um den Endanflug zurück nach St. André zu schaffen. Jochen erwischte wieder solide 4+ m/s und da wusste er, dass es sehr schnelle 50 km werden würden. Für Geschwindigkeitsrekorde darf man nur 2 % der Strecke in der Höhe verlieren. Jochen musste also über 1600 m ankommen. Da er mit soliden 4 m/s aufwärts unterwegs war, beeilte er sich nicht zu sehr und nahm viel Reserve für den Endanflug mit, die er mit einem weiteren 90-km/h-Gleitflug allmählich verbrannte. Auf den letzten 3 km wurde es jedoch spannend, da sich Jochen in einer Sinkzone wiederfand und seine Reservehöhe während des Gleitens fast vollständig verbraucht war. Zu allem Überfluss hat er dann auch noch die Zahlen verwechselt und wusste nicht mehr genau, ob er knapp über 2600 oder 2700 m gestartet war. Jochen wurde klar, dass er das Ziel wahrscheinlich nicht über 1700 m erreichen würde. Er überquerte den Zielzylinder bei 1680 m, aber er war sich nicht mehr sicher, ob er damit +/- 30 m zu niedrig oder 70 m zu hoch war. Am Ende stellte sich heraus, dass er 70 m hoch war. Glück gehabt!

Eine kurze Zusammenfassung für diejenigen, die sich für die Zahlen interessieren:
– Der Flug enthielt 39 Minuten Gleitflug bei 81 km/h mit einer Gleitzahl von 15,5
– und 3 Thermiken oder 11 Minuten bei 3,7 m/s im Durchschnittssteigen

Beim Rekordfliegen tickt die Zeit unerbittlich, und auf einer kurzen Strecke kann man es sich wirklich nicht leisten, 2 Kreise zu lang zu versuchen, einen Aufwind zu finden. Ein Geschwindigkeitsdreieck von 50 km bedeutet 50 Minuten, in denen man versucht, keine Sekunde zu verlieren.

Herzlichen Glückwunsch Jochen zu deinem Rekord und vielen Dank für den spannenden Bericht!

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