Bericht von Alex Schalber (Vizestaatsmeister 2004) und Helmut Ebner (6. Platz)
Kaiserwetter in Vorarlberg, gute Thermik und Basishöhen von 3000 Metern versprachen einen tollen ersten Durchgang. Da sich der ORF für Start und Landung angesagt hatte, entschloß sich der Veranstalter zu einem in Anbetracht der Bedingungen eher kurzen Task von 66 Kilometern. Mit Start um 11:30 Uhr sollten wir spätestens um 15:00 Uhr im Ziel sein – so lange wollte der ORF dann auch auf uns warten.
Kurz nach dem Start auf der „Niedere“ geht’s dann auch wie erwartet hoch auf über 2500 Meter. Als dann um 12:00 Uhr das „Race“ beginnt, befinde ich mich mutterseelenallein hoch über dem Hauptfeld und in einer traumhaften Ausgangsposition. Meine Einsamkeit währt allerdings nicht lange, bereits nach der ersten Talquerung rückt mir ein weißer Boomerang mit Red-Bull Logo immer näher – Tamegger.
Kurz nach der ersten Wende folgt die Schlüsselstelle – der Paß nördlich des Rothorns. Zu fünft im ersten Pulk wollen wir beim Heiterberg die nötige Abflughöhe für den Überflug ersteigen. Aber gerade jetzt holt der offensichtlich tief Luft und läßt uns vergeblich auf Thermik warten.
Da uns der Verfolgerpulk bereits dicht im Nacken sitzt - unter ihnen Helmut Ebner -, entschließen wir uns, eigentlich deutlich zu tief, zum Abflug. Wenn wir da jetzt nicht drüberkommen, ist der Durchgang erledigt...
Gänzlich verspannt im Gurtzeug sitzend – als wenn das was nützen würde - schrammen wir aber knapp über den schneebedeckten Paß.
Kaum im Kleinwalsertal angekommen, erwischen wir einen Sechsmeter-Bart, der uns, vor Erleichterung juchzend, auf die Tagesmaximalhöhe von 3000 Metern wuchtet.
Zum Entspannen bleibt allerdings keine Zeit, Liga-Urgestein Armin Eder aus Tirol gibt heute wieder mächtig Gas und jagt seine „Jeannie“ (sprich seinen Gin Boomerang) mit atemberaubendem Tempo durch die Turbulenzen.
Armin zu folgen kostet die Spitzengruppe offensichtlich zu viel Aufmerksamkeit, begehen wir doch bei Boje zwei einen folgenschweren Fehler. Anstatt hier die direkte Linie ins Ziel zu wählen, drehen wir alle um und wollen über die Kanisfluh den Endanflug ansetzen. Statt der erhofften Thermik hat’s hier aber nur Lee. Von nun an war unsere Rolle im Durchgang nur mehr die von Komparsen, selbst Tamegger kann den ersten Pulk nicht mehr erreichen.
Helmut, der uns bisher immer knapp auf den Fersen war, wählt hingegen die richtige Route und rauscht mit dem neuen Spitzenpulk dem Ziel in Andelsbuch entgegen. Je nach gewählter Linie wird die Strecke bis zur letzten Boje für einige zu lang: der Tiroler Thomas Walder, der zwei zuvor Tage beim Streckenfliegen nach neun (!) Stunden Flugzeit 254 Kilometern zurückgelegt hatte, würde wohl heute den einen oder anderen Kilometer eintauschen wollen, denn bei diesem Durchgang muß er vorzeitig zur Landung ansetzen. Helmut kann sich, von 100 Meter über Grund, gerade noch retten und erreicht als Tagesachter das Ziel. Der in der Szene wohlbekannte Rudi Untermoser aus Saalfelden gewinnt überlegen den ersten Lauf.
„Hohe Luftfeuchtigkeit“ – sprich strömender Regen - macht jeden Gedanken an einen Wettbewerbsdurchgang illusorisch.
Bereits am Morgen scheint wieder die Sonne.
Ein zweiter Durchgang – Grundlage für eine
gültige Staats – scheint doch noch möglich.
Die heutige Aufgabe von knapp 40 Kilometern
ist wahrlich nicht zu klein bemessen, berücksichtigt
man die zur Mittagszeit bereits immer zahlreicher
werdenden Abschattungen. Wieder habe ich
einen guten Start – anscheinend zu gut. Denn
als wir von der ersten Boje zurück zum Hang
wollen, ist mehr von Fallen denn von Gleiten
die Rede. Während wir in Bodennähe um jeden
Meter kämpfen, fliegt das Hauptfeld genau
über der ersten Boje in großflächiges Steigen.
Eine halbe Stunde später sehe ich Helmut hoch über mir – während ich im Tiefflug versuche etwas Boden gut zu machen, ist er einer der höchsten des Feldes und fliegt die drittletzte Wende an. Dann noch einmal zurück ins Flachland und ins Ziel – das wäre der Plan. Doch gerade jetzt dreht eine riesige Abschattung den Thermikhahn zu und Helmut "versenkt" sich mit dem gesamten Pulk.
Ich kann einen kleinen Sonnenflecken nutzen und mich „einparken“. Irgendwann reißt es wieder auf und die restliche Strecke ist – vom Endanflug abgesehen, der mich mit nur 10 Metern Resthöhe über die Ziellinie führt, ein Klacks.
Gesamt reicht es zu meinem (vierten!) Vize-Staatsmeister, Helmut belegt trotz seines „Absitzers“ noch den 6. Rang. Verdienter Staatsmeister 2004 allerdings wird Rudi Untermoser, der seinen Vorsprung vom ersten Tag erfolgreich verteidigen kann. Peter Frauenschuh (Hallein) belegt den undankbaren 4. Platz..
Vollständige Ergebnislisten findet ihr unter www.paragleiter.org .

Bericht von Helmut Ebner und Alex Schalber
P.S.: Herzlichen Glückwunsch zum guten Abschneiden unserer FLYFORFUN Piloten bei der Staatsmeisterschaft 2004. Der 2. Platz von Alex und der 6. Platz von Helmut sind ein toller Erfolg. Die Familien-Wertung haben Elisabeth und Alex mit Abstand gewonnen: Österreichische Meisterin und Vize.