Nach dem verregneten Saisonauftakt in Italien war die Vorfreude auf „unseren“ Weltcup in Abtenau natürlich groß. Neben der Europameisterschaft in Griechenland sollte Abtenau der Saisonhöhepunkt werden. Doch wieder mal machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung.
Nachdem der erste Wettkampftag, der Sonntag,
bereits ins Wasser gefallen ist, schien aufgrund
der langfristigen Wetterprognose schon klar,
daß der Montag die größten Chancen auf einen
Durchgang bieten würde.
Der für den heutigen Tag angesagte leichte
Föhn beunruhigt uns wenig, versichern uns
doch die Abtenauer treuherzig, daß gefahrloses
Fliegen bis in die späten Nachmittagsstunden
möglich sein wird.
Also achten wir auch nicht weiter auf die
Föhnmauer, die sich, vom Startplatz Trattberg
aus bestens einsehbar, bereits bis auf die
Südseite des Ennstals vorgearbeitet hat,
sondern konzentrieren uns auf die Tagesaufgabe,
einen 41 Kilometer großen Bojenflug mit Ziel
in Abtenau.
Wie meistens bei Streckenflügen vom Trattberg
aus, führt der erste Weg gegen den Südwind
Richtung Voglau, von wo aus, oft sehr tief,
am Einberg aufgesoart werden muß. Hier verabschieden
sich bereits die ersten Piloten und begleiten
uns fortan nur mehr mit wehmütigem Blick.
Am Einberg einmal Höhe gemacht, ist der schwierigste
Teil des Durchgang bereits hinter uns. Von
nun an ist „Bolzen“ angesagt. Das machen
die anderen offensichtlich irgendwie besser,
denn ich fliege dem ersten Pulk beständig
hinterher. Helmut Ebner gibt sich mit dem
Hinterherfliegen nicht zufrieden, riskiert
bei der dritten Wende am Einberg, fliegt
tief und findet dort, wo’s sonst immer geht
- beim Startplatz Hochstall - keinen Anschluß
mehr. Typischer Fall von Heimnachteil.
Nach der vorletzten Wende am Fuße des Gosaukamms
geht’s im Gleitflug retour zum Einberg. Während
ich in Gesellschaft von Weltmeister Alex
Hofer gerade den Endanflug nach Abtenau starte
(mir wäre seine Gesellschaft allerdings lieber,
wäre er so weit vorne wie üblich), ist der
erste Pulk bereits am Weg ins Ziel. Unglaublich,
wie tief die ersten abgeflogen sind. Bei
starkem Gegenwind sieht’s nicht so aus, als
ob ihnen eine Zielankunft vergönnt sein sollte.
100 Meter über Grund dreht der Wind und schiebt
den ersten, großen Pulk ins Ziel. Peter Frauenschuh
legt wieder einmal einen sensationellen Endanflug
hin und schrammt als Vierter mit nur wenigen
Metern Resthöhe über die Ziellinie. Ich lande
mit sieben Minuten Rückstand auf den Sieger
Achim Joos (D) auf Platz 38.
Föhn und Regen machen Tasks unmöglich. Die
Wetterprognose verspricht für das Wochenende
Schneefall. Für uns Salzburger weniger tragisch
als für Piloten, die aus Japan, Brasilien
oder Australien angereist sind!
Der Wetterbericht geht von 30 bis 70 km/h
W-Wind auf 1500 Metern aus – Klarer Fall,
das ist ein Flugtag.
Wir nutzen den windgeschützten Kessel von
Werfenweng und fahren auf den Bischling.
Peter Brandlehner, unser meet-director, informiert
dankenswerterweise nicht nur die Bahn, die
extra für uns aufsperrt, sondern auch Sepp,
den Hüttenwirt, denn die Bischlinghöhe empfängt
uns mit geradezu winterlichen Temperaturen.
Obwohl der eine oder andere Graupelschauer
über den Gipfel zieht, ist schon bald ein
Task fixiert. Eine Bojen-Rallye zwischen
Bischling und der Festung Hohenwerfen soll
uns eine 37 km Aufgabe ermöglichen.
Ein, zwei Sonnenflecken bewegen einen Österreicher-Pulk
zum frühen Start. Gemeinsam mit Tom Brandlehner,
Helmut Eichholzer und Peter Frauenschuh erreiche
ich die erste Wende, die Festung Hohenwerfen.
Allerdings bei eingeschränkten Sichtverhältnissen
– machen uns doch die eingelagerten Schauer
das Leben schwer. Nach dem Rückflug kann
ich mich nur noch zur Landewiese nach Zaglau
retten – eine kurzzeitige Stabilisierung
bewirkt abruptes Thermikende.
Während ich noch gemütlich den Schirm falte,
beschert immer wieder ausfließende Kaltluft
einigen Piloten, darunter Helmut Ebner, unfreiwillige
Kunstflugmanöver in Bodennähe.
Die Freude des Deutschen Norman Lausch, der
als einziger das Ziel erreicht, währt nur
kurz, wird doch der Durchgang aufgrund der
Flugbedingungen nachträglich annulliert.
Detail am Rande: Matthias Raab, ebenfalls
ein Deutscher, verfehlt die zweite Boje,
da er aufgrund des starken Regens sein GPS
nicht mehr ablesen kann.
Am Morgen des letzten Tages hatten sich die
meisten wohl schon damit abgefunden, daß
es wie in Italien bei nur einem Durchgang
bleiben würde.
Bei geschlossener Wolkendecke und für den
Nachmittag prognostizierten Schauern scheint
auch am Abschlußtag kein Task möglich.
Nach dem Motto „Absagen können wir immer
noch“ fahren wir auf den Trattberg und harren
der Dinge, die da kommen mögen. Vor allem
der bereits aufziehenden Schauer am Paß Lueg
und am Gosaukamm.
Obwohl manche Piloten den Kopf schütteln,
wird, wie gestern, ein Task ausgeschrieben.
29,9 Kilometer groß sollte er so schnell
zu bewältigen sein, daß wir noch vor den
einsetzenden Regenfällen das Ziel erreichen.
Und diesmal ist uns Petrus gnädig. Bei geschlossener
Wolkendecke drehen die Winddummies locker
auf, der Pulk der 130 Piloten folgt wenige
Minuten später.
Die Siegerzeit für 30 Kilometer ohne Sonneneinstrahlung
beträgt dann auch nur 55 Minuten (kann man
denn jetzt eigentlich immer fliegen?).
Mehr als erfreulich, daß es sich beim Tagessieger
diesmal um einen Österreicher handelt. Christian
Tamegger, zweimaliger Vize-Weltmeister, fliegt
wieder einmal allen um die Ohren und gewinnt
mit einer Minute Vorsprung nicht nur den
Durchgang, sondern, wie sich nach der Auswertung
herausstellt, auch den Weltcup!!
Helmut Ebner kann sich beim zweiten Durchgang
über einen tollen 12. Platz freuen, ich bin
1½ Minuten später schon nicht mehr unter
den ersten Zwanzig.
Alles in allem herrscht nach dem zweiten
Lauf eitel Wonne unter den Piloten, haben
wir doch aus dieser wettermäßig verkorksten
Woche das Maximum herausgeholt.
Bilder und weitere Infos, sowie detaillierte
Resultate findet ihr auf der Homepage des
Veranstalters:
http://worldcup.ikarus-abtenau.at
Helmut Ebner und Alex Schalber