Der Heim-Weltcup – Fliegen zwischen Föhn und Graupelschauern

PWC Abtenau Mai 2004
Bericht von Alex Schalber (FLYFORFUN)


Nach dem verregneten Saisonauftakt in Italien war die Vorfreude auf „unseren“ Weltcup in Abtenau natürlich groß. Neben der Europameisterschaft in Griechenland sollte Abtenau der Saisonhöhepunkt werden. Doch wieder mal machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung.

Montag, 1. Durchgang:

Nachdem der erste Wettkampftag, der Sonntag, bereits ins Wasser gefallen ist, schien aufgrund der langfristigen Wetterprognose schon klar, daß der Montag die größten Chancen auf einen Durchgang bieten würde.

Der für den heutigen Tag angesagte leichte Föhn beunruhigt uns wenig, versichern uns doch die Abtenauer treuherzig, daß gefahrloses Fliegen bis in die späten Nachmittagsstunden möglich sein wird.

Also achten wir auch nicht weiter auf die Föhnmauer, die sich, vom Startplatz Trattberg aus bestens einsehbar, bereits bis auf die Südseite des Ennstals vorgearbeitet hat, sondern konzentrieren uns auf die Tagesaufgabe, einen 41 Kilometer großen Bojenflug mit Ziel in Abtenau.

Wie meistens bei Streckenflügen vom Trattberg aus, führt der erste Weg gegen den Südwind Richtung Voglau, von wo aus, oft sehr tief, am Einberg aufgesoart werden muß. Hier verabschieden sich bereits die ersten Piloten und begleiten uns fortan nur mehr mit wehmütigem Blick.

Am Einberg einmal Höhe gemacht, ist der schwierigste Teil des Durchgang bereits hinter uns. Von nun an ist „Bolzen“ angesagt. Das machen die anderen offensichtlich irgendwie besser, denn ich fliege dem ersten Pulk beständig hinterher. Helmut Ebner gibt sich mit dem Hinterherfliegen nicht zufrieden, riskiert bei der dritten Wende am Einberg, fliegt tief und findet dort, wo’s sonst immer geht - beim Startplatz Hochstall - keinen Anschluß mehr. Typischer Fall von Heimnachteil.

Nach der vorletzten Wende am Fuße des Gosaukamms geht’s im Gleitflug retour zum Einberg. Während ich in Gesellschaft von Weltmeister Alex Hofer gerade den Endanflug nach Abtenau starte (mir wäre seine Gesellschaft allerdings lieber, wäre er so weit vorne wie üblich), ist der erste Pulk bereits am Weg ins Ziel. Unglaublich, wie tief die ersten abgeflogen sind. Bei starkem Gegenwind sieht’s nicht so aus, als ob ihnen eine Zielankunft vergönnt sein sollte. 100 Meter über Grund dreht der Wind und schiebt den ersten, großen Pulk ins Ziel. Peter Frauenschuh legt wieder einmal einen sensationellen Endanflug hin und schrammt als Vierter mit nur wenigen Metern Resthöhe über die Ziellinie. Ich lande mit sieben Minuten Rückstand auf den Sieger Achim Joos (D) auf Platz 38.

Dienstag, Mittwoch und Donnerstag:

Föhn und Regen machen Tasks unmöglich. Die Wetterprognose verspricht für das Wochenende Schneefall. Für uns Salzburger weniger tragisch als für Piloten, die aus Japan, Brasilien oder Australien angereist sind!

Freitag:

Der Wetterbericht geht von 30 bis 70 km/h W-Wind auf 1500 Metern aus – Klarer Fall, das ist ein Flugtag.

Wir nutzen den windgeschützten Kessel von Werfenweng und fahren auf den Bischling. Peter Brandlehner, unser meet-director, informiert dankenswerterweise nicht nur die Bahn, die extra für uns aufsperrt, sondern auch Sepp, den Hüttenwirt, denn die Bischlinghöhe empfängt uns mit geradezu winterlichen Temperaturen.

Obwohl der eine oder andere Graupelschauer über den Gipfel zieht, ist schon bald ein Task fixiert. Eine Bojen-Rallye zwischen Bischling und der Festung Hohenwerfen soll uns eine 37 km Aufgabe ermöglichen.

Ein, zwei Sonnenflecken bewegen einen Österreicher-Pulk zum frühen Start. Gemeinsam mit Tom Brandlehner, Helmut Eichholzer und Peter Frauenschuh erreiche ich die erste Wende, die Festung Hohenwerfen. Allerdings bei eingeschränkten Sichtverhältnissen – machen uns doch die eingelagerten Schauer das Leben schwer. Nach dem Rückflug kann ich mich nur noch zur Landewiese nach Zaglau retten – eine kurzzeitige Stabilisierung bewirkt abruptes Thermikende.

Während ich noch gemütlich den Schirm falte, beschert immer wieder ausfließende Kaltluft einigen Piloten, darunter Helmut Ebner, unfreiwillige Kunstflugmanöver in Bodennähe.

Die Freude des Deutschen Norman Lausch, der als einziger das Ziel erreicht, währt nur kurz, wird doch der Durchgang aufgrund der Flugbedingungen nachträglich annulliert.

Detail am Rande: Matthias Raab, ebenfalls ein Deutscher, verfehlt die zweite Boje, da er aufgrund des starken Regens sein GPS nicht mehr ablesen kann.

Samstag, letzter Tag, zweiter Durchgang:

Am Morgen des letzten Tages hatten sich die meisten wohl schon damit abgefunden, daß es wie in Italien bei nur einem Durchgang bleiben würde.

Bei geschlossener Wolkendecke und für den Nachmittag prognostizierten Schauern scheint auch am Abschlußtag kein Task möglich.

Nach dem Motto „Absagen können wir immer noch“ fahren wir auf den Trattberg und harren der Dinge, die da kommen mögen. Vor allem der bereits aufziehenden Schauer am Paß Lueg und am Gosaukamm.

Obwohl manche Piloten den Kopf schütteln, wird, wie gestern, ein Task ausgeschrieben. 29,9 Kilometer groß sollte er so schnell zu bewältigen sein, daß wir noch vor den einsetzenden Regenfällen das Ziel erreichen.

Und diesmal ist uns Petrus gnädig. Bei geschlossener Wolkendecke drehen die Winddummies locker auf, der Pulk der 130 Piloten folgt wenige Minuten später.

Die Siegerzeit für 30 Kilometer ohne Sonneneinstrahlung beträgt dann auch nur 55 Minuten (kann man denn jetzt eigentlich immer fliegen?).

Mehr als erfreulich, daß es sich beim Tagessieger diesmal um einen Österreicher handelt. Christian Tamegger, zweimaliger Vize-Weltmeister, fliegt wieder einmal allen um die Ohren und gewinnt mit einer Minute Vorsprung nicht nur den Durchgang, sondern, wie sich nach der Auswertung herausstellt, auch den Weltcup!!

Helmut Ebner kann sich beim zweiten Durchgang über einen tollen 12. Platz freuen, ich bin 1½ Minuten später schon nicht mehr unter den ersten Zwanzig.

Alles in allem herrscht nach dem zweiten Lauf eitel Wonne unter den Piloten, haben wir doch aus dieser wettermäßig verkorksten Woche das Maximum herausgeholt.

 

Bilder und weitere Infos, sowie detaillierte Resultate findet ihr auf der Homepage des Veranstalters:

http://worldcup.ikarus-abtenau.at

 

Helmut Ebner und Alex Schalber