Alpen Open Gnadenwald

A) Bericht von Alex Schalber (zweiter) und Helmut Ebner
B) Bericht von Markus Wallner.



A) Bericht von Alex Schalber (zweiter) und Helmut Ebner

Die Alpen Open – oder wie’s an der Nordkette zum Fliegen geht

Die Nordkette bei Innsbruck – jedesmal, wenn ich über den Brenner in den Süden fahre, male ich mir aus, wie es denn wäre an einem „Hammertag“ da entlang zu fliegen. Die letzten beiden Male, als wir hier mit der Liga Station machten, war das Wetter mehr als bescheiden und wurde der beeindruckenden Kulisse nicht gerecht.

Aber diesmal sollten wir zumindest einen Hammertag erleben dürfen. 

Samstag, 29.Mai: 

Da sich am Morgen und in den ersten Vormittagsstunden noch zäher Hochnebel hält, läßt der Veranstalter – unser neuer Bundessektionsleiter Herbert Siess – keinen Streß aufkommen. Somit bleibt noch Zeit für Kaffee und Kuchen.

Als wir dann am Startplatz, der Seegrube, ankommen, bläst uns bereits ein strammer Ostwind ins Gesicht. Aber trotz des Windes sollte die mit knapp 50 Kilometern eher kurz gewählte Aufgabe – die Basis steigt stetig und es ist auch keine große Talquerung zu absolvieren - in kurzer Zeit zu bewältigen sein.

Als wir im Pulk Höhe machen und die Wolkenunterkante erreichen, drückt uns bereits ein etwa 20 km/h starker NO-Wind vom Hang weg. So wie’s aussieht, werden wir heute den Flugtag im Lee verbringen!

Als die Startboje um 14:15 Uhr öffnet, kann ich mich knapp hinter dem „Local Hero“, dem Tiroler Armin Eder, an die zweite Stelle setzen. Daran ändert sich auch bis knapp vor Beginn den Endanflugs nur wenig, fliegen wir doch die gesamte Aufgabe mit maximal zwei bis drei Vollkreisen. Selbst im starken Steigen bremsen wir nur soviel, wie es unsere Schirme in der Leeturbulenz von uns verlangen. Vor dem Anflug auf die letzte Boje mache ich im starken Steigen einen Vollkreis und damit genau einen zuviel. Der Vorarlberger Martin Brunn und Armin Eder verzichten auf diesen Luxus, machen die Boje 20 Sekunden vor mir und setzen bei einem Rückenwind von ca. 30 km/h zu einem riskanten, weil tiefen Endanflug an. Das war’s dann wohl für mich. Unglaublich – aber bei der Dichte ist ein solcher „Rückstand“ nicht mehr aufzuholen. So entschließe ich mich, noch einen Bart zu nutzen und den „Dritten“ sicher nach Hause zu fliegen.

Während wir im ersten Pulk - immer hoch - ohne Probleme durch den Task kommen, haben all jene, die tief werden, von haarsträubenden Erlebnissen zu berichten. Selbst Top-Piloten wie Helmut Eichholzer oder Helmut Ebner stufen die Verhältnisse als „über dem Limit“ ein: Der frischgebackende Staatsmeister Rudi Untermoser „bombt“ im Lee ein, Helmut Eichholzer kann sich zwar noch aus diesem Lee befreien, setzt aber gleich danach zur Landung an, genauso wie Helmut Ebner, der dann auch beschließt, der Nordkette und dem NO-Wind zumindest für dieses Wochenende den Rücken zu kehren. 

Sonntag, 30.Mai: 

Heute geht’s ab ins Ötztal. Abgesehen vom Task interessiert uns eigentlich vor allem die Windrichtung und –stärke. Allgemeines Aufatmen, als von nur schwachen Winden die Rede ist. Um die Prognose zu bekräftigen, werden die Windwerte von gestern mit denen von heute verglichen. Es scheint fast so, als ob heute angstfreies Fliegen angesagt ist.

Gleich nach dem Start wird klar, daß die Tagesaufgabe mit knapp 80 Kilometern zu klein bemessen ist, rauschen wir doch mit Spitzenwerten von bis zu 10 Metern pro Sekunde auf Maximalhöhen von 3700 Metern.

Nach der Querung vom Ötztal zur Startboje beim Roppener Tunnel geht’s wieder einmal – wie in Tirol anscheinend üblich – nur im Geradeausflug dahin. Während der Querung zur Mieminger Kette quert ein Swift unsere Bahn – das kann eigentlich nur der Ruhmer Mandi sein, seines Zeichens dreifacher Hängegleiter-Weltmeister. Dem ist das Drachenfliegen inzwischen fast zu fad und er fliegt lieber mit einem Ding, das man schon als Segelflieger bezeichnen muß. Gleitzahl 25 und fußstartfähig! Geht’s nach den neidvollen Blicken der Drachenflieger, als Mandi am Abend bei uns im Ziel landet, ist das wohl die Zukunft des Hängegleitersports. 

Aber zurück zu uns „Sacklhupfern“: Von der Mieminger Kette geht’s weiter über das Seefelder Hochplateau, das eigentlich eine Schlüsselstelle darstellen sollte. Heute nicht, nach der ca. 10 Kilometer langen Querung bis zum Solstein sind wir immer noch über 3000 Meter, gut 25 Kilometer vor dem Ziel setzen wir eigentlich schon zum Endanflug an. Da wir, das sind Rudi Untermoser und ich, uns ein bis zwei Minuten vom Feld absetzen konnten, machen wir uns heute das Rennen aus. Wenige Kilometer vor der Ziellinie bin ich etwas zu g‘scheit und will über einen kleinen Umweg(!) dem Gegenwind beim Endanflug entkommen und so Rudi elegant „ausbremsen“.

Am Ende kann ich mich noch 10 Sekunden vor dem drittplazierten Christian Tamegger ins Ziel retten – so g’scheit war meine Idee. Rudi gewinnt souverän.

Da am Montag bereits in den Vormittagsstunden mit Überentwicklungen vor einer sich annähernden Kaltfront zu rechnen ist, fällt der Montag fliegerisch ins Wasser.

 Die Gesamtwertung der Alpen Open gewinnt der Vorarlberger Martin Brunn vor meiner Wenigkeit und Christian Tamegger, ebenfalls Vorarlberg.

Meine bessere Hälfte, Elisabeth, gewinnt die Damenwertung und ist nach der Staats schon wieder einen Platz vor mir.

 Zumindest weiß ich jetzt, wenn ich wieder einmal über den Brenner fahre, wie’s da oben über der Nordkette so zum Fliegen geht: Eigentlich nur was für kernige Tiroler. 

(Bericht von Helmut Ebner und Alex Schalber)


B) Bericht von Markus Wallner.

Alpen Open – mein erster Ligawettbewerb

 Die Nordkette bei Innsbruck, ein mir bis dato unbekanntes Fluggebiet. Zweifel kommen auf. Was erwartet mich? Wo kann ich mich unter dieser Gruppe von Toppiloten einreihen? Wird mein Cayenne diesen Anforderungen gerecht? Fragen über Fragen.

Samstag, 29. Mai:  

Da ich schon gestern in den Nachtstunden angereist bin und sich das Wetter am Vormittag noch immer nicht von seiner besten Seite zeigt – Nebel und tiefe Basis – bleibt mir noch genügend Zeit, um in Ruhe zu frühstücken und danach noch einmal meine gesamte Flugausrüstung zu checken. Danach Auffahrt mit Kleinbussen zur Seegrube. Dort angekommen bläst uns ein starker Nordostwind um die Ohren Ich lasse mir noch einige Tips im Umgang mit dem GPS geben, da ich bis zu diesem Zeitpunkt noch wenig Erfahrung damit habe. Wie auch, als langjähriger Acro-Freak? 

13.30 Uhr Briefing. Eine ca. 50 km lange Strecke (Race) wird am Task Board ausgeschrieben. Trotz der Kürze sollte das für viele noch ein langes Rennen werden!  

Während wir alle gemeinsam Höhe machen, schiebt uns bereits ein ca. 20 km/h starker Nord-Ost Wind vom Hang weg, bis wir die Basis erreichen. Und wissen somit schon, dass wir am heutigen Tag mit starken Lee-Turbulenzen zu rechnen haben.  

14.15 Uhr Start. Ich kämpfe. Schirmkontrolle. GPS Bedienung. Feld beobachten. Ich verschlafe den Start, bin irgendwo im hinteren Feld. Als ich den ersten Wendepunkt erreiche, sehe ich, dass die Ersten schon damit beginnen, gegen das „Absaufen“ anzukämpfen.  

Mit dem Wind zurück Richtung Start zur nächsten Boje. Ich fliege etwas zu tief ab, als ich mich Richtung letzte Wende aufmache. Und so lerne auch ich am eigenen Leib, was es heißt, die Nordkette im Lee zu erleben.  

Doch meine Routine was Schirmbeherrschung anbelangt und die Gewissheit, dass ich nicht unter einem „heissen Gerät“ hänge, lässt mich das letzte Drittel der Strecke etwas beruhigter angehen. Da auch ich immer tiefer werde, und der Bodenwind nicht gerade schwach bläst, mache ich kaum noch Fahrt. Meinen Beschleuniger kann ich auch nur mehr ganz behutsam einsetzen, da ich - voll im Lee - über den Bäumen hänge. Dann ist es soweit: Ich muss abdrehen und einen Landepunkt suchen. Ich sehe auf einer Wiese einen anderen Piloten und entschliesse mich, auch dort zu landen. Als ich nach der Landung merke, dass es niemand geringerer als Heli Eichholzer ist, bin ich etwas stolz auf mich. Nicht nur Heli und mir wird das Tieffliegen zum Verhängnis, auch andere Piloten müssen vorzeitig landen.

Am Landeplatz angekommen, berichten einige Flieger von unfreiwillig durchgeführten, waghalsigen Acromanövern, was mich wieder weiter in meinem Entschluss bekräftigt, einen Serien 2 er (Skywalk-Cayenne) zu fliegen.

Nach der Auswertung meines GPS finde ich mich nach diesem Tag auf dem 18. Platz der Serienklasse und gesamt auf dem 37. Platz wieder.

 Sonntag, 30. Mai

Heute ist das Briefing schon zeitiger angesetzt da sich das Wetter von seiner besten Seite zeigt. Um 08.30 treffen wir uns wieder am Landeplatz und erfahren, dass wir heute ins Ötztal gefahren und von dort aus starten werden.

Dort am Startplatz angekommen müssen wir doch noch ca. 2 Stunden warten, da laut Wetterinfo die Thermikauslöse erst später beginnt.

13.00 Uhr Briefing. Unsere heutige Aufgabe umfasst ein ca. 80 km langes Race Richtung Gnadenwald.

13.30 Uhr Start. Ohne Probleme gelingt mir ein sauberer Start und ich kann sofort in einen guten Thermikbart einsteigen. Nur kurze Zeit später kann ich von meinem Vario bereits eine Höhe von 3.600 m ablesen! Dies wird ein Hammerflug. Nach einer Talquerung befinde ich mich kurz vor dem 12 km Radius.

14.00 Uhr Heute bin ich hellwach beim Öffnen des Startfensters und fliege im vorderen Pulk der ersten Wendeboje entgegen. Von dort weg kann ich mich gut an den Piloten orientieren, die etwas weiter vor mir mit ihren Hochleistern unterwegs sind. So fliege ich – diesen Führungspulk immer in Sichtweite - ca. 2 Stunden lang sehr konzentriert dem Ziel entgegen.

30 km vor dem Ziel fällt mein Vario aus! Ich habe zwar neue Batterien in meinem Rucksack - aber dort helfen sie mir auch nicht viel. Da ich das letzte Dreivierteljahr aber sowieso an akutem Batteriemangel gelitten habe und permanent ohne Vario unterwegs war, bereitet mir auch das kein größeres Kopfzerbrechen mehr. Einfach nur das Ziel erreichen!

16.15 Uhr Ich habe die Landewiese in Sichtweite.  

16.22 Laut meinem GPS habe ich die Ziellinie passiert und nichts kann meine Acrogene davon abhalten, die überschüssigen ca. 400 Höhenmeter mit einigen schönen hohen Wing-Over und als Draufgabe einem Loop zu vernichten. Nach der Landung ein dicker Kuss meiner Freundin Claudia, dazu ein eisgekühltes Bier und der Tag ward perfekt. Heute kann ich die Auswertung meines GPS kaum erwarten!. 

Zu meinem Erstaunen merke ich, dass nach mir doch noch etliche Piloten die Ziellinie passieren.  

Endlich ist die Auswertung abgeschlossen und jetzt bin ich der glücklichste Mensch.  

Ich konnte diesen 80 km Task als 2. der Serienklasse und Gesamt 17. beenden. Und war nun vollends von meinem Cayenne überzeugt.  

Da die Wetteraussichten für den morgigen 3. und letzten Wettkampftag nicht sehr viel versprechend sind, wird es ein eher doch feuchtfröhlicher Abend.

Montag 31. Mai.

Nach dem obligatorischen Freiluftfrühstück wird uns beim Briefing mitgeteilt, dass aufgrund der Wetterlage der heutige Task gecancelt wird. Somit bin ich bei der anschliessenden Siegerehrung auf Platz 8 der Gesamtwertung Serienklasse. Und nehme hocherfreut noch ein unerwartetes Preisgeld mit nach Hause.

Resume: Topmaterial – Toppilot – Topergebnis 

Mad Max


Vollständige Ergebnislisten findet ihr unter www.paragleiter.org

Foto Gesamtwertung

Foto Serienwertung
Pressemitteilung