Der Alpen Adria Cup 2004 (6. bis 8. August)
Von Helmut Ebner und Alex Schalber

Seit Jahren sind Helmut und ich Stammgäste beim Alpen Adria Cup.

Der Veranstalter ist sehr rührig um die Piloten bemüht, das Fluggebiet rund um den Millstädtersee ist, bis auf den thermikschwachen Startplatz auf der Gröblacher Alm, hervorragend für weite Streckenflüge geeignet.

Am Freitag, dem ersten Wettkampftag, „wascht“ es uns so richtig ein. Bereits um 12 Uhr 30 beginnt es ohne Vorwarnung wie aus Kübeln zu schütten. All jene, die ihren Schirm zu diesem Zeitpunkt bereits ausgelegt hatten, begehen den Nachmittag damit, ihre Ausrüstung mit Abgleitern vom Tschirnock zu trocknen.

Am Samstag sieht’s am Morgen bereits deutlich besser aus: Heute werden wir wieder mal in die Luft kommen. Da bei anhaltender labiler Luftschichtung die Gewitter am Nachmittag nicht ausbleiben werden, wird’s nur ein kleiner Task mit 35 Kilometern. Es sollen ja nicht nur die Schnellsten vor dem Einsetzen von Blitz und Donner die Strecke beenden können!

Helmut, die Brandlehners (Tom und Stefan) und meine Wenigkeit erwischen einen traumhaften Start und erreichen als erste die Basis. Wenn es nur jetzt schon losginge. Aber in den verbleibenden zehn Minuten bis zum Start des Race klettert auch das Hauptfeld in der schwächelnden Thermik bis zu den ersten Wolkenfetzen. Um 12 Uhr 05 geht’s dann los: Vier Bojen zwischen dem Startplatz auf der Gröblacher Alm und dem Reißeck sind zu absolvieren, dann erwartet uns der Landeplatz in Seeboden.

Rudi Untermoser, der amtierender Staatsmeister, greift wieder mal mächtig an und fliegt als erster Richtung Reißeck. Manche Wettkampfpiloten kann man ruhigen Gewissens ein Stück vorfliegen lassen. Sie sind, auf sich allein gestellt, nicht in der Lage ein hohes Tempo durchzuhalten und einen Vorsprung auch ins Ziel zu bringen. Rudi gehört nicht dazu. Seine große Erfahrung im Streckenfliegen macht ihn auch allein fliegend „sauschnell“. Also folgen Armin und ich auf dem Fuße, oder hier: auf dem Flügel.

Schon beim nächsten Berg haben wir Rudi „gestellt“. In einem Pulk von zehn Piloten geht’s weiter. Bei der vorletzten Wende über dem Hangfuß der Gröblacher Alm sind wir immer noch zu fünft. „Schuh“ (Peter Frauenschuh) ist der Höchste und wählt die direkte Linie zur letzten Boje – er setzt den Endanflug schon hier an. Wir anderen fliegen im rechten Winkel direkt zum Hang retour und wollen nochmals über dem Startplatz Höhe machen. Während „Schuh“ bereits die Boje hat, belauern wir uns noch im letzten Bart. Armin, der alte Fuchs, hat sich einen neuen Airwave ausgeliehen und nimmt mir bei jedem Gleiter ein paar Höhenmeter ab. So ist er auch in diesem Bart ein paar Meter höher eingestiegen und kontrolliert uns, die wir wenige Meter unter ihm kurbeln.

Bei einem Abflug aus der Thermik kann man sich einen schönen Vorsprung herausholen, wenn man genau dann abfliegt, wenn die anderen von der nächsten Boje wegdrehen. Die müssen in diesem Fall noch einen ganzen Kreis fertig machen und handeln sich damit einen Rückstand von bis zu zehn Sekunden ein.

Zwei Kollegen kann ich überlisten, aber Armin hat mich genau im Auge und fliegt fast zeitgleich mit mir ab.

Nach der letzten Boje sind wir natürlich deutlich höher als „Schuh“, der ja einmal weniger gekurbelt hat. Während er immer tiefer in den Gegenwind (Talwind) sinkt, rauschen wir mit leichtem Rückenwind auf das Ziel zu und können ihn fast spielerisch einholen. Vier Sekunden vor mir überquert Armin als erster die Ziellinie -schon wieder zweiter!

Aber es soll schlimmeres geben: „Schuh“ verliert nicht nur den Tagessieg, sondern verpaßt auch knapp die Ziellinie. Klar, daß er sich auf der Landewiese zahlreiche Belehrungen über den „richtigen“ Endanflug anhören kann. Da braucht es starke Nerven die ganzen Besserwisser (ich gehöre auch dazu) zu ertragen.

Helmut hat wieder mal beim Geradeausflug Pech und kommt bei einer Querung gemeinsam mit dem Sieger des ersten Laufs beim Veltins-Cup, dem Steirer Peter Sommer, zu tief. Er wird mit vielen anderen Opfer der am heutigen Tag in tiefen Lagen schwächelnden Thermik.

Am Sonntag beginnt es gleich am Morgen derart zu quellen, daß der Veranstalter noch am Vormittag die Siegerehrung ansetzt. Armin feiert damit einen lupenreinen „Hattrick“, gewinnt er doch die vergangenen drei Wettbewerbe en suite – das macht ihm so leicht keiner nach.

Im nächsten Jahr soll es hier in Seeboden einen Vor-Weltcup geben. Das Gebiet und der Veranstalter würden sich eine Zusage des Weltcup-Komitees wirklich verdienen.

Nächstes Wochenende (21./22. August) bestreiten wir den letzten nationalen Wettbewerb dieses Jahres - den Pyhrn-Eisenwurzen Pokal in Hinterstoder mit Start auf der Höß.

Haltet uns die Daumen!

Von Helmut Ebner und Alex Schalber


Vollständige Ergebnislisten findet ihr unter www.paragleiter.org